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TEDxYouth@RheinMain

Nachdem Mainz mehr als 2000 Jahre auf die erste TEDx warten musste, gibt es die diesen November gleich im Doppelpack. Nur eine Woche nach der TEDxRheinhessen findet an der UNI eine TEDx für Kinder und Jugendlich statt:

Am 20. November 2011 findet die TEDxYouth@RheinMain statt. Hinter dem etwas kryptischen Namen verbirgt sich eine weltweit bekannte und hoch angesehene Veranstaltung für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren: die Jugendveranstaltung der TED. TED steht für Technology, Entertainment und Design.

Wissbegierige Jugendliche können sich an dem Tag an der Uni Mainz von Vorträgen inspirieren lassen und in Workshops selbst kreativ werden. Der Eintritt ist kostenlos.

Mehr: http://www.tedxrheinmain.de/youth/

Ich werde bei der Veranstaltung natürlich auch helfen und wenn ihr Lust habt, dabei mitzuwirken, dann meldet euch einfach.

TEDxRheinhessen jetzt Karten sichern

Wir sind grad noch dabei die Portraits der Sprecher auszuarbeiten und können deshalb auf www.tedxrheinhessen.de noch nicht alles so zeigen wie wir das gerne hätten. Aber trotzdem wollte ich Ihnen die Sprecher nicht länger vorenthalten.

BERND TERNES

Soziologiedozent an der Berliner Technische Kunstschule BTK für den Bereich Interdependenz von Technik, Kunst und Soziologie

uid2.de

MELIH BILGIL

Pengaltstar und Zeichensystem Picol

lonja.de

VANESSA BOYSEN

Head of Recruting bei SinnerSchrader

UWE LÜBBERMANN

Premium Cola

ANDREAS KOLLER

Strukt Wien

JÜRGEN ZELLER
JUDITH HARTNACK
VIRGINIA SCHULTHEIS

souvenir-frankfurt

 

Zuschauer werden

ist ganz leicht. Schreiben sie uns eine E-Mail an dabeisein@tedxrheinhessen.de darin brauchen wir ein Bild von Ihnen und eine Idee, die Sie gerne verbreiten würden. (Die Idee muss nicht von Ihnen selber sein)

TEDxRheinhessen

Gute Ideen verbreiten ist eine meiner liebsten Beschäftigungen und so ergab es sich, dass ich mich Ende letzten Jahres um eine Lizenz für TEDx bewarb.

Zur Zeit stecken wir mitten in der Organisation und ohne ein tolles Team wäre das auch sicher nicht zu schaffen.

Die TEDxRheinhessen findet am 13. November 2011 statt und weitere Infos finden Sie hier:

www.tedxrheinhessen.de

Das nächste große Ding: die Geradeauskrise

Die Industrialisierung hat uns viele schöne Krisen gebracht. Die aktuellen Highlights: Finanzkrise, Klimakrise, Ölteppichkrise und Terrorkrise, basieren alle auf dem selben Ursprung: Linearität.

Die Krise hat spätestens mit Adam Smith angefangen, der heraus fand, dass viele ungebildete und angepasste Menschen, durch den Einsatz von Arbeitsteilung, Druck (Durch einen Boss) und Maschinen viel effizienter produzieren können als Handwerker. Damals war es keine Problem ungebildete Menschen zu finden, aber es gab ein Anpassungsdefizit. Deshalb lagerte man der Produktionsstätte ein Anpassungslager vor, die sogenannten Schulen. Später wurde dieses System ausgeweitet. Das selbe Prinzip, dass für die Arbeiter funktionierte, wurde dann natürlich auch auf die „Bosse“ angewandt. Das nennt sich heute Management. Auch hier wurden Arbeitsabläufe in kleine, einfache Teilaufgaben geteilt. Das klappte lange Zeit gut, aber kein Mensch kann so viele vor definierbare Operationen ausführen wie ein Computer. Erst wurden die Hände durch Roboter ersetzt, jetzt kommt Schritt zwei: Manager werden durch Entscheidungs-Algorithmen ersetzt.

Aber Computer werden uns zum Glück nicht alle Entscheidungen abnehmen können. Die Welt ist nicht Linear. Nicht nur die Natur macht was sie will, auch die Konkurrenz hält sich nicht mehr an diese lineare Abläufe. Der Markt wird momentan von Unikaten überschwemmt, da man den linearen Part ohne großere Probleme outsourcen kann. Manche Unternehmen haben das erkannt: Google und Amazon, aber auch die DHL bieten Outsourcing für Linearität an.

Wer nur verwaltet und alle Entscheidungen mit Hilfe von Excel und Entscheidungsbäumen trifft, wird bald durch ein App ersetzt. Die Bienen sollten jetzt lernen ihren Honig selber zu verkaufen, weil die Königin sie bald nicht mehr braucht.

Lineare Bildung

Wir haben ein Bildungssystem, dass uns auf den geraden Weg vorbereitet. Das aus einer Zeit stammt, in der Unternehmen mehrere Jahrzehnte bis zur Weltspitze brauchten. Und jetzt? Amazon (20.000 Mitarbeiter, 19Mrd. $ Umsatz) zieht in 10 Jahren an der Traditions-Firmen Quelle und Bertelsmann (100.000 Mitarbeiter, 15Mrd. € Umasatz) vorbei. Microsoft kam aus dem nichts auf Platz eins und wird jetzt bald von Apple und Google überrannt. Facebook.com hat mehr Einwohner als die USA und plättet weltweit die Lokalzeitungen. Es hilft einem nicht mehr alleine zu wissen was war, wer da noch mithalten will, muss darüber nachdenken was kommen könnte. Als Google angefangen hat, haben sie nicht überlegt wie hoch die Kosten für ihren Service werden und das mit den damaligen Umsätzen für Onlinewerbung verglichen. Google hat am Anfang ein Problem gelöst und dann einen kompletten Markt mit Submärkten (Bsp.: SEO und SEM-Spezialisten) geschaffen. Die meisten Bürokraten hätten eine Studie von McKinsey rausgeholt und festgestellt, dass man im Internet kein Geld verdienen kann! Dann hätten sie das Projekt eingestellt, abgeheftet und den nächsten Ordner geöffnet: „Oh, Kredite für Hausbesitzer, das ist ne sicher Anlage, das sagen auch die Lehmann Brothers, da müssen wir investieren $$$!

Generation Geradeaus = Generation Praktikum

Laut meiner Schulen war der Weg immer klar: Kindergarten > Schule > Hochschule > Festanstellung wurde nicht nur mir so gesagt, sondern auch Millionen anderen. Aber der Weg ist mittlerweile verstopft. Weil sie nie von etwas anderem gehört haben, als von einer Festanstellung. (Warum habe ich Monate lang lernen müssen, wie man Bewerbungen und Lebensläufe schreibt, aber nicht einmal einen Businessplan erstellt?)
Die meisten halten sich an diesen Plan und drängen in die großen Unternehmen. Da Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen, gibt es mittlerweile soviele unbezahlte Praktikanten. Das ist nicht nur ein Armutszeugnis für die Arbeitgeber, sondern auch für die Perspektivlosigkeit unserer Schulsysteme. Die Generation gibt es schon viel länger. Es ist die Generation Geradeaus, nur dass die jetzt zum ersten mal sichtbar wird, weil der vorgegebene Weg überfüllt ist.

Liebe Generation Geradeaus
Wacht auf! Ihr glaubt ihr könntet durch ein Praktikum in ein Unternehmen nachrücken, dass froh über jeden Mitarbeiter ist, der in Rente geht und den sie nicht selber kündigen müssen. Wenn ihr eh kein Geld bekommt, dann verschwendet nicht auch noch eure Zeit. Was wollt ihr machen? Überlegt euch einen Weg, wie euer Leben verlaufen soll. Macht euch das Leben nicht mit festen Zielen (Bsp.: einen Oscar gewinnen) kaputt, sondern überlegt wie ihr gerne arbeiten wollt. Welche Fähigkeiten habt ihr und wer könnte diese Fähigkeiten brauchen. Betrachtet eure Fähigkeiten aus der Ferne: Nicht „ich bin Webdesigner“, sondern „Ich verstehe wie Menschen Informationen wahrnehmen und mit ihnen interagieren.“ Aus der auf Webdesign-Agenturen beschränkten Sichtweise, entwickeln sich ganz neue Perspektiven. Schaltflächen-Entwicklung für Aufzüge, Formulare verständlicher machen… was weiß ich. Bei der Umformulierung geht es aber nur zum Teil um euch. Gerade für die anderen Menschen, mit denen ihr interagiert, schafft die neue Formulierung ganz andere Anknüpfungsmöglichkeiten: „Webdesigner, brauch ich nicht, aber ich habe da so ne Buchhaltungssoftware mit der ich jeden Tag arbeite und kenne den Chef gut, können sie die nicht mal überarbeiten?“
Das ist wie mit den Straßen, es gibt gerade Autobahnen, kurvige Landstraßen und holprige Feldwege. Grad wollen alle auf die Autobahn, weil sie gehört haben, dass sie da am schnellsten unterwegs sind, keiner weiß wo sein Zeil ist, deshalb gibts einen Rückstau bis auf die Landstraßen. Da fahre ich lieber mit dem Rad und wenn bald auch die Feldwege überfüllt sind, fahre ich Mountainbike.

Ziemlich lange ausgeholt um ein Video anzukündigen, aber Sir Ken Robinson hat sich bei seinem Vortrag auch alle mühe gegeben mich auf diese Gedanken zu bringen:

Viel Spaß bei der Bildungs-Revolution:

schools kill creativity

Immer mal wieder packt es mich und ich könnte kotzen wenn ich daran denke was Schulen und Hochschulen den Menschen antuen. Wie soll die Schule kritische Bürger hervorbringen, wenn sie doch ihre eigene Geschichte systematisch verdrängt. Als die Industrialisierung vor sich hin revolutionierte, mussten Menschen gefunden werden, die die Mängel von Maschinen möglichst effektiv und mechanisch ausgleichen konnten. Schule diente damals nicht nur dazu die benötigten Grundlagen zu vermitteln, sondern diente auch als eine Art Gehirnwäsche. Die Kinder sollten lernen Autoritäten zu achten und Anweisungen, ohne sie zu hinterfragen, auszuführen.

Das mit der Gehirnwäsche hat ja auch relativ gut geklappt, aber jetzt müssen wir feststellen, dass wir keine Automanschen (Menschliche Automaten) mehr brauchen. Alle Aufgaben die man automatisieren kann, wurden automatisiert und immer mehr Menschen wachen aus dem Trauma auf. Jetzt kommt die Zeit der Unikate. Computer und das Internet senkten Ausbildungs- und Transaktionskosten Richtung 0. Aufgaben, für die Unternehmen früher ganze Abteilungen brauchten, erledigt man mittlerweile mit dem Mobiltelefon. Gute Produkte brauchen kein Millionen Werbebudget mehr, um in den Markt zu kommen. (Woher kennst du Google)

Aber die Schule macht so weiter wie immer. Schüler werden noch immer für die Industrie ausgebildet. Und die Hochschulen? Die haben intern die selben Strukturen wie die Industrie und sind von der strikten Einhaltung von Hierarchien geprägt. Die meisten Professoren waren nie selbstständig und haben immer nur gemacht was ihnen gesagt wurde. Die Freiheit von Studium und Lehre wird schon bei der Berufung unterdrückt. Jemand die ankommt und alles in Frage stellt, wird nicht berufen werden. Sie muss ihre Ideen in der Wirklichkeit beweisen und nach diesem Beweis kommt dann die nächste Generation, die Anweisungen befolgt, das Problem von außen untersucht, eine Doktorarbeit darüber schreibt und schließlich selber Professor wird. Nur ganz selten wird ein Praktiker direkt berufen, die meisten haben auch gar keine Lust auf das theoretische Korsett. Für sie gilt: „Was zählt ist auf dem Platz.“

Ich hatte das Glück, dass ich Hochschule nur am Rande mitbekommen habe und mir meine Neugier nicht genommen wurde. Sie wurde durch Kommilitonen sogar weiter entfacht. Ich denke das lag auch daran, dass es mir einige Professoren leicht machten ihre Autoritäten zu hinterfragen und mich durch ihre tradieren Ansichten immer wieder dazu anregten neue Entwicklungen zu beobachten. Zum Glück gab es aber auch Professoren und Lehrer die mich inspirierten und hinterfragten, aber für mich am wichtigsten waren andere Studenten und Studentinnen.

Was mir grad auffällt, es waren immer Männer die mich positiv oder negativ beeinflussten. Die Professorinnen und Lehrerinnen sind nicht so extrem. Schon in der Schule fällt es Mädchen leichter sich anzupassen und zu tun was ihnen gesagt wird. (Ist das der Grund warum die Gleichberechtigung nicht so funktioniert wie es geplant wird?) Ich kenne nur wenige Frauen, die auf die Meinung anderer pfeifen und ihre Ideen auch gegen Widerstände verfolgen. Ob es auf der anderen Seite immer gut ist, Ideen gegen Widerstände durchzusetzen, sei mal dahin gestellt. Aber alle Innovationen treffen anfangs auf Widerstände.

Fazit:
Schule diente anfangs zur Herstellung von Automanschen  und hat mittlerweile zum Ziel den Status Quo zu sichern.

Wie habt ihr das erlebt?

Dazu habe ich noch drei tolle Ted Talks gefunden:

Im ersten Vortrag wird erklärt, was Kreativität mit der Bereitschaft Fehler zu machen zu tun hat.

Ken Robinson schools kill creativity

Der zweite Clip zeigt ein erstaunliches Beispiel, wie viel Kinder lernen können, wenn man sie in Gruppen auf ein Problem loslässt:

Sugata Mitra shows how kids teach themselves

In Nummer 3 erhält man einen Einblick in das amerikanische Bildungssystem, auf das wir grad mit dem Bachelor zusteuern und zeigt interessante Alternativen auf.

Dan Meyer: Math class needs a makeover