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Sprechen Sie Geld? – Wirtschaftsanalphabetismus

Es gibt keine Sprache, die so universell anwendbar ist wie Geld. Dinge die über Worte lange Zeit dauern würden, wie eine Unterkunft in einer fremden Stadt zu finden, lassen sich mit Geld sehr leicht regeln.

Aber das ist nur der Anfang. Geld ist viel mehr als Zahlen und wer gut Geld sprechen will, der muss sich zumindest ein wenig mit Psychologie und Ökonomie beschäftigt haben. Man muss verstehen, was Menschen antreibt und wie man damit effektiv umgeht.

Geld hat viele Dialekte

Je nachdem aus welcher Region man kommt und welcher Denkschule man anhängt, wird Geld unterschiedlich benutzt, trotzdem lassen sich überall Gemeinsamkeiten feststellen wenn Geld fließt.

Auf dem offiziellen Bildungsweg habe ich im Master Studium zum ersten Mal von Opportunitätskosten gehört. Geld ist einfach viel mehr als Mathe. Die meisten Menschen bleiben ihr Leben lang Wirtschaftsanalphabeten und wissen es nicht mal.

Ich will jetzt nicht Geld-Sprech glorifizieren und bin davon überzeugt, dass Freunde wichtiger als Geld sind. Wem Geld egal ist, der hat eh schon eine andere Stufe erreicht, aber für alle, die auf „die da oben“ schimpfen wäre ein kleiner Sprachkurs sicher nicht verkehrt.

Geld ≠ Macht

Aber wer gut Geld spricht, der kann mächtig werden, doch das kann man mit anderen Sprachen auch (aber dort ist es meist schwieriger zu erlernen).

Ich bin dafür

Wie es sich für Abiturienten gehört, war ich früher links und dagegen. Ich war allerdings auch gegen die Linken, weshalb ich dabei nie in das linke Milieu gerutscht bin. Auch in den ersten Semestern von Medien-Design war ich gegen vieles. Gegen faule Profs und faule Kompromisse. Gegen veraltete Technik und veraltete Lehrmethoden. Gegen Gott und die Welt. Ich war Autoritäten unterworfen, die ich nicht anerkannte. Da blieb mir nur dagegen zu sein.

Lange Jahre war ich immer dagegen und habe viel Energie darein gesteckt schlechtes zu bekämpfen. Erst durch Peng kam bei mir die Wende. Zum ersten mal, nach 23 Jahren Leben, war ich keiner höheren Macht mehr unterstellt. Und ich merkte mit der Zeit, dass meine Abwehrtaktik: „Ich bin dagegen“ nicht mehr funktionierte. Denn es folgte sofort: „dann mach nen besseren Vorschlag“.

Ich habe gelernt, dass ich mir ohne Vorgesetzten, die Abwehrphase einfach sparen kann. Ich kann gleich mit dem Vorschlag beginnen. Und das erstaunliche, mit der Methode, zu sagen wofür ich bin, erreiche ich auch in Machtverhältnissen etwas. Wenn man gegen etwas ist, stößt man automatisch auf Widerstand. Der Angegriffene hat keine andere Möglichkeit, als sich zu verteidigen. Formuliert man die selbe Idee als Vorschlag, bietet man dem Gegenüber hingegen die Chance die Idee gut zu finden oder weiter zu entwickeln.

Und jetzt zur Praxis:

Statt:

Ich bin dagegen, dass die Machtverhältnisse in Schulen weitere Generationen von Blockieren und Mitläufern erzeugen.

Besser:

Ich bin dafür, dass in der Schule eine Phase eingeführt wird, in der sich Schüler und Lehrer gleichberechtigt begegnen. Die Schüler sollen dadurch auf ein Leben in einer immer dezentralisierteren Welt vorbereitet werden.

Also, wofür seid ihr?

  • Ich bin für öffentliches, kostenloses Internet
  • Ich bin für günstigen Wohn- und Büroraum in Mainz
  • Ich bin für noch günstigeren Kulturraum
  • Ich bin für mehr lokale Unternehmen
  • Ich bin für weniger Arbeitsstunden pro Leben
  • Ich bin für eine gerechtere und gesündere Verteilung von Arbeit
  • Ich bin für Grundeinkommen
  • Ich bin für eine automatische Steuererklärung oder noch besser eine Schwundwährung und garkeine Steuern