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Wir machen nen Viral und andere Träume

Wie oft habe ich diesen Spruch in den letzten Jahren gehört:

Wir machen nen Viral!

Bisher ist mir noch keiner dieser Clips in den Weiten des Internets viral wieder begegnet. Trotzdem wird er als Wunderwaffe gesehen.

Das Problem beim viralen Marketing ist folgendes: Damit sich ein Clip extrem verbreitet, muss dem Zuschauer die Kinnlade runterfallen oder er muss in Tränen vor Lachen ausbrechen. Schon allein das zu erreichen ist schwer. Dann aber noch alles so gestalten, dass es „On Strategie“ ist und die Kernwerte des Produkts oder der Marke wiederspiegelt, macht es noch viel schwieriger. Selbst wenn man für den Start ein paar Blogs und Tweets kauft, wenn der Clip nicht rockt, bleibt er relativ schnell stecken.

Sind wir mal ehrlich, die meisten Marken können nur noch einen Teil der Bevölkerung ansprechen, die Volksmarken gibts nicht mehr.

Trotzdem ist die Mechanik hinter den Virals nicht unintressant, wenn man sich den richtigen Rahmen wählt. Es muss ja nicht gleich die Vogelgrippe sein, oft reicht auch ein einfacher Schnupfen. So ein Virus verbreitet sich langsamer und hinterlässt auch nicht so verheerende Spuren. Aber da er meist im direkten sozialen Umfeld unterwegs ist, entsteht eine persönliche Landkarte. Man weiß fast immer, woher man den Virus hat und auch oft, wen man noch infiziert hat. Hier wirkt der Viral nicht nur durch sich selbst, sondern auch durch die Kommunikation darüber.

Wie funktioniert Niesmarketing?

Beim Niesmarketing geht es darum die Produktfans mit Medien zu unterstützen, die ihnen helfen das Produkt zu erklären. Jede Kaufentscheidung ist mit Zweifeln verbunden. Ein guter Clip kann den Menschen helfen, die eigene Entscheidung mit Argumenten zu bestätigen. Aber ihnen ist es auch wichtig, dass andere ihre Entscheidung bestätigen, deshalb ist es wahrscheinlich, dass ein Käufer das selbe Material auch ein paar Freunden zeigt. Ein Viral kann also nicht nur lustig oder krass sein, er kann auch dafür eingesetzt werden um die Zufriedenheit zu steigern und verbreitet sich deshalb im sozialen Umfeld.

Kennzahlen für Social Media, Facebook, Twitter

Neben einer klaren Positionierung einer Marke muss die Marketingabteilung ihre Erfolge auch messen. Bei Fernsehwerbung gibts dafür die Einschaltquote und übertragen auf Social Media gehts um Follower und Fans. Denn da gibts Zahlen, die man in eine Exceltabelle eintragen kann. Das kann man messen, man kann Graphen erstellen und sie dem Vorgesetzten zeigen.

Diese Fixierung auf Kennzahlen sorgt dafür, dass Praktikanten und Aushilfen in Werbeagenturen sitzen und händisch rumspammen oder Tausende Euro für Bannerwerbung investiert werden. Die Frage, wozu man Fans oder Follower braucht wird oft mit: „Dann schreiben wir was darein und dann verbreitet sich das viral beantwortet.

Die Nutzer von Social Media sind Menschen. Jeder von ihnen wird täglich mit tausenden Botschaften bombardiert und er kann sehr gut irrelevante Inhalte ausblenden. Kein Mensch setzt sich vor den Rechner und studiert aufmerksam jeden Beitrag. Wie im sogenannten „First Life“ ist der Absender entscheidend für die Beurteilung der Relevanz. Durch die Fotos der Mitglieder kann man sehr schnell die Nachrichten überfliegen und selektiv lesen. Die Anzahl der Fans ist für die Reichweite einer Botschaft also nicht ausschlaggebend. Wichtig sind alleine die Qualität der Beziehung zum Fan und vom Fan zu dessen Freunden usw, sowie die Relevanz der Botschaft für die einzelnen Fans. Ich bin gespannt auf das Modell, das dies erfassen kann.

Ich bin kein Feind von Statistiken, aus den reinkommenden Links und den Trackingdaten auf der eigenen Webseite kann man viel erfahren. Aber die Zahl der Fans und Follower lässt sich zu leicht manipulieren, als das sie Relevanz haben könnte. Ein Fokussierung auf diese Kennzahlen führt zu falschen Fans. Social Media kann sein Potenzial am besten entfalten, wenn man es zum Zuhören nutzt. Je genauer man zuhört, desto relevantere Angebote kann man machen.

Peng, das Youtube für Veranstaltungen?

Als wir Anfang November 250 Fans bei Facebook hatten, war ich total überrascht von dem Erfolg. Bei 130 Mitgliedern ist das schon nicht schlecht. (Weniger als die Hälfte nutzt Facebook)

Und die Zahl der Peng-Fans steigt weiter. Mittlerweile auf 709. Zusammen mit der Dunkelziffer ist das ganz schön viel.

Aber wie kommt es, dass Peng soviele „Fans“ hat?

Irgendwann ist uns aufgefallen, dass die meisten neuen Mitglieder und Aussteller nicht durch die Webseite oder Zeitungsartikel zu uns kommen, sondern durch eine Veranstaltung oder Mundpropaganda. Eine Designausstellung zieht Designer an, eine Kunstausstellung zieht Künstler, eine Lesung zieht Autoren an, ein Theatherstück zieht Schauspieler. Wir dringen, so ganz automatisch, in immer mehr Themenfelder aber auch immer tiefer in Subkulturen vor.

Jedes Event zieht meist den nächsten Veranstalter an. Dieser setzt einen anderen Themenschwerpunkt und lädt seinen Freundeskreis ein. Einige der Freunde werden wieder Veranstalter … Ein viraler Loop, der ständig an Tempo gewinnt.

Im Grunde haben wir das selbe Prinzip wie YouTube. Wir stellen ein Plattform und die Nutzer sorgen für die Verbreitung.

Wir geben uns aber auch Mühe die Verbreitung immer leichter zu machen: Bilder bei Flickr, ein Podcast, Facebook, Twitter und natürlich die Webseite. Hier würde sich durch eine neue Webseite noch einiges verbessern lassen…