empirischer Unsinn

Alle paar Monate flattert mir irgendeine studentische Umfrage in mein Postfach und fast immer sind die Fragen so formuliert, dass ich aussteige und das ist nicht der einzige Grund, warum ich nicht an den Sinn von Umfragen glaube.Schon allein die Auswahl der Befragten sorgt für ein verzehrtes Bild. Studenten fragen in ihrem Freundes und Bekanntenkreis und die Ergebnisse sagen dadurch mehr über den Fragesteller, als dass sie Antworten liefern. Die Antwortmöglichkeiten sind zum größten Teil suggestiv und Antworten die der Fragensteller nicht auf dem Schirm hatte werden auch nicht gegeben. Und wer sich schon mal ein wenig mit Newsletter SignUps oder ähnlichem beschäftigt hat, der weiß wie leicht man Leute zu bestimmten Antworten verleiten kann.

Menschen sagen lieber ja als nein

  • Finden sie, dass man die Gesellschaft vor Straftätern beschützen sollte?
  • Finden sie, dass jeder eine Chance bekommen sollte, aus seinen Fehlern zu lernen?

In einer Umfrage hätten die meisten wohl zweimal mit Ja geantwortet.

Niemand will dumm aussehen

  • Wissen sie, dass Sebastian Vettel von RED BULL RACING Formel 1 Weltmeister ist?

oder

  • Wer ist Formel 1 Weltmeister und für welches Team fährt er?

Bei welcher Frage waren die Menschen wohl „schlauer“?

Dieser Unsinn war auch ein Grund für mich, mein Studium abzubrechen. Wir sollten für ein Projekt, bei dem Plakate getestet wurden, Leute auf der Straße fragen wie sie ein Plakat finden. Aber anstatt dass wir sie erst an dem Plakat vorbei laufen lassen und sie danach fragen, was sie sich noch merken konnten, war es unsere Mission, sie direkt vor dem Plakat zu stoppen und sie dort zu befragen. Die ganze Aktion fand in Zusammenarbeit mit Ströer statt und es ging wohl nur darum zu beweisen das Plakate wirken. Hätte man die Leute nur 30 Sekunden später gefragt, wäre die Antwort zu 90% „Welches Plakat?“ gewesen.

Wer wird überhaupt gefragt?

Menschen mit zuviel Zeit!

Ich habe meist besseres zu tun, als bei einer Telefon Umfrage mit zu machen und werde schon seit 3 Jahren nicht mehr angerufen (Ist das Zufall oder sind es Kostengründe?). Aber ich bin wahrscheinlich nicht der Einzige, der besseres zu tun hat, als bei solchen Umfragen mit zu machen. Umgekehrt heißt dass aber auch, dass nur Menschen mit zuviel Zeit überhaupt die Fragen beantworten.

Wie kann man Datenschützer befragen?

Neben der Zeit spielt für viele auch noch der Schutz der Privatsphäre eine Rolle. Und als ich an der FH Wiesbaden dann mal die Chance hatte eine echte Meinungsforscherin zu Treffen konnte ich mir nicht die Frage verkneifen: Wie erfassen sie diejenigen, die eine Antwort verweigern?

Antwort: Das können wir rausrechnen.

Wenn das so ist, dann kann man sich die Umfrage auch sparen.

Wozu dann Umfragen?

Ich glaube dass es diese Umfragen hauptsächlich aus zwei Gründen gibt:

1. Um Entscheidungen durchzusetzen. Wenn man eine Umfrage hat, kann man seine eigene Vorstellung aufbauschen und so wirken lassen, als ob viele diese teilen.

2. Als Ausrede, wenn etwas nicht funktioniert. Viele Manager haben einfach Angst davor einen Fehler zu machen, deshalb holen sie sich Umfragen und wenn etwas nicht so klappt, wie sie es dachten, dann ist die Umfrage Schuld. Dahinter kann man sich toll verstecken.

Menschen wissen nicht, was sie nicht wissen:

„Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt schnellere Pferde.“

Henry Ford

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