die Rolle des Dissens beim Personal Branding

Eigentlich ist es garnicht so schlau den ADC und gleichzeitig alle Anhänger zu dissen. Ich konnte es mir trotzdem nicht verkneifen. Wenn ich einen Beitrag schreibe, bin ich mir darüber bewusst, dass ihn jeder lesen kann. Und jedes mal, wenn ich Kritik übe, dann bin ich mir bewusst das ich mir damit unter Umständen Wege verbaue. Als sich vor ein paar Monaten eine Firma bei mir gemeldet hat, deren Kampagne ich Monate davor verrissen habe, (Sie haben es nicht gewusst.) wurde mir das nochmal vor Augen geführt. Die blockierten Wege haben aber auch Vorteile, denn sie helfen mir auf der Spur zu bleiben.

Auf der anderen Seite gibt es bei jeder Kritik auch Menschen, die meine Ansicht teilen. Und dissen schafft Vertrauen. In der FH habe ich immer schlechte Professoren gedisst (Unterschriften Aktionen, Beschwerden im Senat), was mir dann bei meinem Diplomkolloquium auch zum Verhängnis wurde, mir aber trotzdem viel gebracht hat. Ich zeige dadurch, dass ich nicht hinterm Rücken läster, sondern auch was mache. Mittlerweile habe ich zwar gelernt, dass es besser ist Alternativen zu stärken, statt altes zu bekämpfen. Aber mein gedisse hat mir geholfen Menschen zu finden, die von den Alternativen zu begeistern sind und besser noch, selber über Alternativen nachgedacht haben. Ein Diss sorgt für Aufmerksamkeit. Und für die interessanten Gespräche die sich aus den provokanten Thesen ergeben, nehme ich den Gegenwind gerne in Kauf. Und das beste am bloggen ist, dass es meinem Umfeld Diskussionen startet.

(Während ich diesen Post schrieb, bekam ich über Skype einen Link, der meine These zum ADC-Abstieg belegte.)

Aber auch wenn es effektiv ist, werde ich jetzt nicht alles und jeden dissen. Aber der ADC hat es durch viele Überschneidungen mit meinem Leben verdient:

Als ich 2002 meine Ausbildung hinter mir hatte und ein Praktikum bei KNSK machte, drehte sich alles um den ADC. Für mich persönlich noch nicht, man muss sich ja erst hocharbeiten, aber ab dem Junior AD gings los. Wer keine Preise gewann, konnte den Aufstieg vergessen. Auch ich habe mir die Spots und Bücher angeschaut und war großer Fan von dem Kram. Youtube sollte erst drei Jahre später erfunden werden und ich kannte deshalb nichts kreativeres. Ich bin mir auch sicher, dass einige Ideen von mir später wieder aufgenommen und weiterentwickelt wurden. Aber der ADC zeigte auch damals schon seine dunkle Seite. Creative Directors setzen ihren Namen unter die Ideen vom Junior (wurde mir zumindest so erzählt) und meine Kollegen überlegten wie sie strategisch die Firma wechseln konnten um selber Preise gewinnen zu können. Man fängt als Praktikant bei X an, dann wechselt man zu Y um Junior zu werden, da muss man dann bei Projekten mitarbeiten die Preise gewinnen, dann kannste woanders Art Director werden und wenn du Glück hast, darfste selber einreichen…wem dass zu lange dauert der kann Junior des Jahres werden.

Je mehr Einblicke ich in die Werbebranche bekam, desto mehr wurde ich zum Kritiker dieser Show. Dass ich als Freelancer in der Postproduktion ein vielfaches von dem verdiente, was der Art Director auf Kundenseite bekam, gab mir zusätzlich zu denken. Ist die Hoffnung auf einen Preis und damit ein besseres Leben wirklich soviel wert? Und was dann, nächstes Ziel Cannes?

Der ganze Zirkus ist mir zu blöd. Welcher Vogel singt am schönsten, im goldenen Käfig? Da bin ich lieber der Hahn, der auf dem Mist kräht.

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