Das Festanstellungsdogma

Nachdem ich vor zwei Wochen meinen Wechsel auf die Agentur-Gründer-Seite ankündigte und mit ein paar Leuten darüber gesprochen habe, verbreitete sich mein Vorhaben relativ schnell in meinem Umfeld und ich wurde mittlerweile schon von einige darauf angesprochen. Dabei wurde ich häufig gefragt, ob mir das nicht zu riskant ist sowas zu machen und ob ich keine Angst hätte zu scheitern. Ich fands erstaunlich wieviel Angst selbst einige Freelancer vor der Selbstständigkeit haben. Für mich ist es nur der nächste logische Schritt und ich glaube ich habe selber mittlerweile mehr Angst vor einer Festanstellung, bei der andere über meinen eigenen Erfolg und mein Glück entscheiden.

Aber wenn ich auf meine Schulzeit und mein Studium zurückblicke ist diese Angst vor der Selbständigkeit eigentlich ganz logisch. Man wird von Anfang bis Ende fast nur von Beamten unterrichtet. Auch viele Lehrbeauftragte aus der Wirtschaft unterrichten nur um später besser Chancen auf eine Professor zu haben. Workshops mit Unternehmen werden von ehemaligen Studenten gehalten, die festangestellt in einem coolen Laden arbeiten. Und auch Workshops für Selbstständige werden meist von Angestellten gemacht. Selbstständige Unternehmer sind für einen Diplom Designer unbekannte Wesen.

Ich selber leide auch an dieser verzehrten Wahrnehmung. In meiner Diplomarbeit erkenne ich langsam einige Spuren davon. Aber auf der anderen Seite sehe ich für mich auch Chancen in der eigenen Agentur. Anstatt dass ich intern für meine Ideen von Kommunikation kämpfen muss, such ich mir draußen Kunden die dazu passen. Social Media ist nicht ohne weiteres auf jedes Geschäftsmodell, jede Zielgruppe und besonders jede Unternehmensphilosophie anzuwenden. Aber wenn es zusammen passt, dann kann Social Media mehr als Fernsehen und Zeitung zusammen, für einen Bruchteil der Kosten.

Durch eine eigene Agentur kann ich die Chancen, die gerade entstehen, besser nutzen. Mich dabei von einem Vorgesetzten abhängig zu machen, finde ich riskanter.

Trotz Agentur will ich keine Festangestellten haben. Ich werde versuchen die Agentur auf mein enges Netzwerk mit Freelancern und anderen Selbstständigen aufzubauen und könnte mir auch vorstellen, mit gleichberechtigten Partnern, zusammen zu arbeiten.

Was meint ihr, gibt es dieses Dogma oder habe ich mir da was zusammengereimt?

Festanstellung vs. Selbstständigkeit, was sind eure „Pro & Contra“ Argumente?

2 Kommentare
  1. Marcel
    Marcel sagte:

    Hi Alex,

    nach über 10 Jahren Festanstellungen in Agenturen, ging es mir im letzten Jahr ähnlich. Um ehrlich zu sein, haben ca. 90% die gleichen Argumente an den Tag gelegt, wie Du es bereits beschrieben hast: „Bist Du dir wirklich sicher? In der Krise was zu gründen? Und wenn es nicht klappt, was machst Du dann?“

    Nach 6 Monaten kann ich Dir bereits sagen: Ich kann mir eine Festanstellung aktuell nicht mehr vorstellen. Das einzigste was ich vermisse gegenüber einer Festanstellung: Das „sichere“ Geld – was ist aber schon sicher? 😉

    Ich arbeite im gleichen Modell wie Du: Bürogemeinschaft und ein Freelancer-Netzwerk. Das klappt wunderbar und man geht auch viel offener durch die Welt. In meiner Zeit als Freelancer habe ich mehr interessante Menschen/Kontakte (Networking) getroffen, als in meiner Agentur-Zeit.

    Viel Spaß beim Freelancen

    Marcel

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