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J. G. Jung Typologie – So langsam verstehe ich es

Als ich mich vor einem Jahr zum ersten Mal mit dem MBTI auseinander gesetzt habe, war das für mich auf alle Fälle eine wichtige Erfahrung. Ich habe zwar noch nicht das zugrunde liegende Prinzip verstanden, aber mittlerweile bin ich extrem sicher, dass ich ein INFJ bin, aber ich kann mittlerweile auch die Kritik an dem Testverfahren verstehen:

Im letzten Monate habe ich mich dann aber nochmal auf das Thema gestürzt und ich denke auch angefangen es zu verstehen. Denn die Buchstaben sagen weniger über die Persönlichkeit aus als man denkt. Denn viel wichtiger als die Buchstaben sind die sich daraus ergebenen Funktionen. Man kann z. B. introvertierte oder extrovertierte iNtuition haben. Da sind die Buchstaben zwar gleich, aber in der Welt macht das einen großen Unterschied.

Damit ist es aber noch nicht erledigt, denn jeder Mensch bildet im Laufe seines Lebens alle seine Funktionen weiter aus. Das nennt sich dann Individuation, aber das bekommt nochmal einen eigenen Beitrag.

Ich überlege grad ob ich das Ganze Thema mal auf Deutsch übersetze, besteht da Interesse?

Was würde ein Zen Buddhist tun?

Irgendwie fasziniert mich die Idee von Zen. Wobei es ja keine „Idee“, sondern im Grunde „nichts“ ist. Für mich bedeutet Zen mein Selbst im Universum aufzulösen und dadurch gleichzeitig das Universum zu sein. Ich will jetzt nicht sagen, dass ich dem Irgendwie nah komme, wobei ich mir das in etwa so wie die Erfahrung von Flow vorstelle, aber halt permanent, selbst wenn man auf dem Klo sitzt. 😉

Aber was bedeutet Zen für mein Leben?

Im Grunde ist das bisher nur ne fixe Idee und wirklich tief habe ich mich noch nicht damit beschäftigt. Ich habe nicht meditiert und auch noch keine Bücher gelesen. (vielleicht sollte ich das mal machen?) Ich bin aber irgendwann mal über zenhabits gestolpert und lese seit dem fast alle Beiträge. Und Leos Perspektive war auf jeden Fall eine interessante Bereicherung. Und ich merke wie mich das mit der Zeit beeinflusst hat. Klar bin ich auch älter und erfahrener geworden, aber ich finde auch immer besser meinen Frieden. Das heißt jetzt nicht, das ich jetzt zahm werde, aber ich suche mir meine Schlachten gezielter aus. Wofür lohnt es sich wirklich zu kämpfen? Kann ich einfach einen Umweg gehen und dadurch ohne Risiko mein Ziel erreichen?

Das Zen-Paradox

Man muss sein Selbst aufgeben um sich zu finden.

Neben Zen hat mich auch der MBTI im letzten Jahr schwer beeinflusst. Der MTBI half mir vor allem durch die Erkenntnis, dass ich eher Introvertiert bin. Ich bin zwar weder schüchtern noch verschlossen, aber das soziale Spiel kostet mich viel Kraft. Aber halt nicht immer. Unter den richtigen Leute und Umständen verliere ich mich selbst, und dann bringt es mir Energie. Das sind Momente, in denen ich mir keine Gedanken darüber mache, wie ich wirke, sondern meist für eine Idee brenne. Da spiele ich kein Rolle, sondern es geht um etwas größeres. Vielleicht ist das Zen? Trotz aller Energie habe ich nach so Aktionen trotzdem meist am nächsten Morgen, auch ohne Alkohol, einen Kater und muss mich erholen.

Was würde ein Zen Buddhist tun?

Zurück zur Ausgangsfrage und die ist ziemlich praktisch. Jedes mal wenn ich ausrasten möchte, merke ich zum einen, das ich noch lange nicht Zen bin, aber ich stelle mir jetzt auch jedes mal die Frage: Wie würde ich mich verhalten, wenn ich es hätte? Und meine Antworten darauf sind meist sogar ziemlich klar, aber ich kann mich trotzdem nicht daran halten 🙂 ich bin einfach zu wütend „UND ES IST MIR NICHT EGALl!!!“. Bei Zen würde man der ganzen Sache einfach nicht soviel Bedeutung geben, fertig.

Auch wenn mir die Frage noch keine direkte Hilfe ist, so löst sie zumindest einen positiven Prozess aus. In dem Moment, in dem man versucht sich selber aus der Situation heraus zu nehmen, setzt ein Lernprozess ein. Der dauert dann zwar meist ein paar Tage/Wochen, aber immerhin. Viele verschwenden Jahre mit Wut und Hass. Es wird aber wohl noch ein paar Jahrzehnte dauern, bis die Welt um mich herum zusammenbrechen kann und ich mir denke „das soll so“ und unbekümmert anfange den Besen zu schwingen.

Introvertiert sein in einer extrovertierten Welt

Es ist echt erstaunlich, wie sich mein Leben gewandelt hat, seit dem ich vor einem halten Jahr heraus fand, dass ich introvertiert bin und vor allem, was das bedeutet. Klar bin ich ne Rampensau und alles andere als schüchtern, aber trotzdem mag ich es auch alleine zu sein. Wenn ich jeden Tag unter Leuten bin, verbrauche ich sehr viel Energie. Ich merke das zum Beispiel jetzt bei der Arbeit. Da bin ich 3 Tage in einem Großraumbüro, dazu kommt noch der Dienstag Abend, an dem ich mich in noch mehr Trubel ins Peng on Tour stürze. Ich habe dadurch ca. 5-10 neue Menschen, mit denen ich interagiere und bin deshalb auch jeden Freitag erst mal erledigt.

Auf der anderen Seite habe ich meine guten Ideen immer dann, wenn mich keiner stört. Wenn ich 4 Stunden Bücher oder Internet lese, Videos schaue oder halt selber blogge. Aber es geht mir nicht nur um Ideen, ich merke, dass ich dabei im Flow bin, das ich voran komme und gleichzeitig Energie sammle. Und diese Energie brauche ich, damit ich dann auch wieder unter Menschen gehen und den Funken überspringen lassen kann.

Wie geht es dir damit? Wenn du dieses Blog liest, ist die Wahrscheinlichkeit schon mal hoch, dass du nicht zu 100% extrovertiert bist. (Sonst wäre es dir ja zu wenig Stimulation 😉

Was ich 2011 gelernt habe

merry crisis and a happy new fear

Was für ein Jahr. Ich habe mal wieder sehr viel gelernt, verlernt und neu gelernt.

Vielleicht komme ich auch nochmal dazu meine alten Lektionen zu überdenken:

Was habt ihr gelernt?

Ich würde mich freuen, wenn ich von euch etwas lernen kann

INFJ – mein innerer Gandhi – Myers Briggs Type Indicator

Letzte Woche habe ich meinen Myers Briggs Type Indicator herausgefunden und er ist:

INFJ

  • Introverted
  • iNtuitive
  • Feeling
  • Judging

introvertiert?

Viele werden sich jetzt bestimmt fragen, wie ich als alte Rampensau introvertiert sein kann und ich war auf den ersten Blick auch etwas irritiert. Aber dabei ist nicht gemeint ob man sich in der Öffentlichkeit wohlfühlt. Es geht darum woher man seine Energie zieht und das ist bei mir auf alle Fälle das isoliert sein. Wenn ich in der Öffentlichkeit stehe, dann mache ich mir zwar nicht gleich in die Hose, aber es kostet mich viel Energie (anderen gibt genau das die Kraft). Nachdem ich es hinter mich gebracht habe, möchte ich mich aber erst mal wieder verkriechen. Es kostet mich also immer auch etwas Überwindung, mich in die Öffentlichkeit zu stellen, aber ich finde es oft wichtig, dass ich die Verantwortung übernehme.

intuitive (theoretisch)

Bei diesem Punkt geht es um mein Denken: Das ich eher ein Theoretiker als ein Praktiker bin ist mir schon länger klar. Mir macht es zwar auch Spaß etwas mit einen Händen umzusetzen, aber andere sind da viel besser. Mich interessiert auch viel mehr was möglich wäre, als das was ich direkt machen kann. Ich erkenne relativ schnell Muster und versuche diese auf andere Bereiche anzuwenden. Und das ich mit einem Bein in der Zukunft stehe und deshalb in der Gegenwart ab und zu den halt verliere, muss ich mir auch eingestehen.

feeling (fühlend)

Meine Entscheidungen treffe ich seit längerem mit meinem Bauch. Das Leben ist mir zu komplex, als dass ich jemals alle Informationen zusammen bekommen könnte. Aber ich bin auch immer mit der Diskussion zwischen Kopf und Bauch beschäftigt. Früher habe ich mehr auf meinen Kopf gehört und oft wurde mein Bauch, der ein ungutes Gefühl hatte überstimmt. Oft konnte ich auch bei unvollständiger Information, spüren, was ich noch nicht wusste.

Ich fühle was richtig oder falsch ist, auch wenn ich es manchmal noch nicht rational erklären kann. Deshalb gelingt es mir auch oft die richtigen Fragen zu stellen, weil ich spüre, wonach ich suchen muss.

(Klugscheisser Modus: Kopf und Bauch sinds natürlich nicht, sondern Neocortex und Limbisches System, aka das Unterbewusstsein)

judging (geplant)

Dieser Punkt ist auch komisch, denn ich überlege oft lange bevor ich etwas mache, aber dann entscheide ich mich spontan. Ok, jetzt sofort Aktion! Vielleicht kann man es so sagen, ich baue mir einen Rahmen der Möglichkeiten und entscheide mich in diesem recht spontan. Dinge die ich ablehne, mache ich aber auch dann nicht. Nur ganz selten komme ich zu einem Termin zuspät und ich schaue mir auch meine Route schon bevor ich losfahre. Einfach nach dem Weg fragen ist nicht so mein Ding.

 

Nimmt man alles zusammen, dann bin ich ein:

Counselor / Beirat

Eigentlich halte ich ja nicht viel, von solchen Schubladen, aber in dieser fühlte ich mich gleich verstanden:

Counselors have an exceptionally strong desire to contribute to the welfare of others, and find great personal fulfillment interacting with people, nurturing their personal development, guiding them to realize their human potential. Although they are happy working at jobs (such as writing) that require solitude and close attention, Counselors do quite well with individuals or groups of people, provided that the personal interactions are not superficial, and that they find some quiet, private time every now and then to recharge their batteries. …

Zitat von http://keirsey.com/4temps/counselor.asp

Wenn ich mir die letzten drei Jahre so anschaue, dann habe ich immerwieder versucht Ideen zu verbreiten, die allen helfen sollten und auch bei meinen Workshops versuche ich anderen zu helfen Probleme zu lösen oder etwas zu lernen. Und auch schreiben macht mir wirklich Spaß, aber am besten kann ich das, wenn außer mir keiner im Raum ist. Input von anderen Menschen ist mir zwar wichtig, aber für Output brauch ich Platz.

…Counselors tend to work effectively in organizations. They value staff harmony and make every effort to help an organization run smoothly and pleasantly. They understand and use human systems creatively, and are good at consulting and cooperating with others. As employees or employers, Counselors are concerned with people’s feelings and are able to act as a barometer of the feelings within the organization. …

Zitat von http://keirsey.com/4temps/counselor.asp

Sowohl bei der Fachschaft Medien-Design als auch bei Peng habe ich immer an der sozialen Infrastruktur gearbeitet, sogar schon dann, als ich meine Ideen noch gar nicht kommunizieren konnte. Aber diese Vorliebe hatte in meinem Berufsleben eher negative Auswirkungen. Wenn in einer Firma der Wurm drin war mir das meist sehr schnell klar und wenn ich daran etwas ändern wollte, bekam ich einen auf den Deckel. „Keine Zeit, das Tagesgeschäft geht vor.“

…They know things intuitively, without being able to pinpoint why, and without detailed knowledge of the subject at hand. They are usually right, and they usually know it. …

Zitat von http://www.personalitypage.com/INFJ.html

Hätte ich jetzt nicht hören dürfen, weil es mich noch sturer macht, aber auch das stimmt. Allerdings bin ich noch bessere darin, festzustellen, wenn etwas nicht stimmt um dann nach langer Recherche herauszufinden warum ich da so sicher war.

…They believe in constant growth, and don’t often take time to revel in their accomplishments. …

Zitat von http://www.personalitypage.com/INFJ.html

Da wären wir zum Beispiel bei meinem Umsetzungsproblem, statt eine Idee durchzuziehen beginne ich gleich wieder mit der nächsten. „Zukunft statt Vergangenheit“ (wie die CDU so schön sagt)

…They have strong value systems, and need to live their lives in accordance with what they feel is right. In deference to the Feeling aspect of their personalities, INFJs are in some ways gentle and easy going. Conversely, they have very high expectations of themselves, and frequently of their families. They don’t believe in compromising their ideals….

Zitat von http://www.personalitypage.com/INFJ.html

Manchmal wünschte ich, ich könnte Ungerechtigkeiten einfach nicht wahrnehmen und würde auf „Das ist halt so“ mit „achso“ reagieren, aber dann wäre ich nicht mehr ich.

Und wer wäre ich dann?

die absolute Minderheit

Eigentlich war mir schon klar, dass ich die Welt anders wahrnehme als die meisten Mitmenschen, aber laut Myers Briggs Test sind nur 1-3 % der Bevölkerung (USA) INFJs. Das erklärt mir jetzt auch, warum die meisten Menschen mit meiner Denkweise erst mal überfordert sind. Auf der anderen Seite weiß ich jetzt aber auch, dass es mehr Alexanders da draußen gibt, als mich.

Karriere Möglichkeiten

Hier passts auch wieder:

  • Designer
  • Schriftsteller
  • Berater
  • Anwalt
  • Pfarrer
  • Psychologe
  • Sozialarbeiter
  • Unternehmer

Der innere Gandhi

Es gibt mehr Typen wie mich und als INFJ bin ich in keiner schlechten Gesellschaft. Angeblich waren Gandhi, Martin Luther King oder Goethe auch INFJs. Und ich spüre meinen inneren Gandhi immer dann, wenn ich jemand anderen Schaden soll. Dann ziehe ich mich innerlich zusammen und teilweise tut er mir sogar selber weh, wenn mir allerdings Gewalt angedroht wird, dann gehe ich sofort in den Verteidigungs-Modus. Und mit Gewalt meine ich nicht Schläge, sondern es reicht bei mir schon, wenn man mich irgendwie erpressen oder zwingen will. Ich blockiere dann einfach.

Fortsetzung folgt…

Für mich war der Test sehr hilfreich, da er mir nochmal gezeigt hat, dass meine Abneigung gegen Lug und Trug und meine Bauchsicht auf die Welt, zwar nicht weit verbreitet, aber durchaus normal ist. Bei den meisten anderen Persönlichkeitsprofilen habe ich mich meistens nicht wiedergefunden, wie auch bei nur 1-3% Verbreitung. Natürlich wird das Auswirkungen auf mich haben, aber dazu später mehr…

 

Für alle die mit englisch auf Kriegsfuß stehen. Hier noch eine deutschsprachige Beschreibung. (Danke an Tulsa für den Kommentar)

http://www.typentest.de/test_-_start/test__i/test__it/test__itf/test__itfg/typentest_de__itfg_-_der_psych.htm